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Warum Schreiben auch (m)ein Anker ist



Mein Schreiben ist wie ein klitzekleiner, glitzernder Anker, der in jede meiner Taschen passt und den ich jederzeit auswerfen aber auch wieder lichten kann.


Den Anker auswerfen


Wenn ich schreibe, halte ich an, um aus dem Alltagsboot auszusteigen, einen besonderen Moment festzuhalten, mich vom Chaos im Kopf zu befreien, meine Gedanken und Gefühle schnell oder langsam aufs Papier fließen zu lassen (je nachdem, was gerade guttut), das eigene Leben genauer unter die Lupe zu nehmen, Halt und Lösungen zu finden.


Und einmal aussteigen bitte


Wenn ich schreibe, kann ich ganz bei mir ankommen. Alles, was sich über den Tag laut und hektisch von draußen in mich hinein gedrängt hat werfe ich damit ab. Es ist, als würde ich einen Raum betreten, wo ich entscheiden darf, was ich mit hineinnehme und was besser draußen bleibt.

Mein Frei-Fahrschein


Wenn ich es mir erlaube, gibt es kein Richtig oder Falsch. Alles darf sein, nichts muss. Schreiben ist, wie malen, singen, musizieren oder tanzen. Eine mögliche Art sich auszudrücken. Meine Art. Malerinnen wählen Motive, Farben und Formen, Musiker und Sänger Ton und Melodie, Tänzerinnen Haltung und Rhythmus. Und sicher noch einiges mehr von dem ich nichts weiß. Ich bin eben beim Schreiben zuhause.

Und da suche und finde ich die passenden Worte (oder erfinde sie) für das, was gerade ist. Oder (noch) nicht ist. Ich reihe Wort für Wort aneinander, lasse Satz-Ketten entstehen und beantworte mitunter meine eigenen Fragen. Ich setze mich also mit mir und meinem Hiersein auseinander. Mal lächelnd, schmunzelnd, oder belustigend, ein anderes Mal ganz ernst, oder auch wütend und traurig.


Halt und Lösung aus der Tiefe


Manchmal sind es fremde Worte, die irgendwo gelesen, zum Denken und Weiterschreiben anregen. Aber immer sind es die eigenen, die mich hineinführen und dann wieder aus der Dunkelheit heraustreten. Die aus den tiefsten Tiefen emporsteigen, mich zart ummanteln und mir “Hey, so könnte es gehen”, zuflüstern.


Sie zeigen mir auch, woran ich festhalte und was mich festhält. Was von alldem mir guttut und was ich besser loslassen und wovon ich mich loslösen sollte. Sollte? Ja sollte, weil das mit dem Loslassen und Lösen meistens schwerfällt.


Um loszulassen und weiterzuziehen muss ich den Anker wieder heraufziehen. Das heißt, ich muss vom Schreiben ins Tun kommen. Genau hinschauen. Entscheidungen treffen.

Wieder auf Kurs


Obwohl es stellenweise mühsam ist: ich mag es mein Leben bewusst selbst zu gestalten. Das geschriebene zu lesen wie eine Karte, die den Weg weist und mir einen ungefähren Plan meiner Route zu machen. Durch das Schreiben merke ich schneller, wo ich zurzeit stehe und wohin ich in naher oder ferner Zukunft möchte.

Und wenn dann der Anker wieder in einer meiner Taschen liegt und auf den nächsten Einsatz wartet, kann es weitergehen.

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