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Was ist wahr in unseren Geschichten


Ob Filme, Bücher oder andere Medien, wir lassen uns alle gerne von Geschichten berieseln. Tauchen ein in fremde, meist fiktive Geschichten und verfolgen gespannt die Entwicklung der Heldin oder des Helden.


Und fühlen uns am Ende befriedet und ein stückweit selbst beglückt, wenn die Handlung gut ausgeht. 


In jedem von uns steckt das Bedürfnis nach Geschichten und seit wir imstande sind sie uns zu erzählen tun wir es. Dabei erzählen wir nicht nur fiktive, sondern vor allem unsere eigenen.

 

Indem wir unsere Erfahrungen mit unserem Umfeld teilen, rücken wir Ereignisse ins (rechte) Licht und lassen sie erst dadurch, dass wir darüber reden, wahr werden. 

 

Wir erzählen aber nicht nur anderen unsere Geschichten. Vielmehr ist unser Hirn ständig damit beschäftigt, uns unsere eigenen Geschichten zu schildern, zu kommentieren und analysieren.

 

Es konstruiert seine Wahrheiten über das, was wir machen, warum wir es machen, darüber wer wir sind und was wohl die anderen über uns denken.  


Ich bin also meine eigene Geschichte. Ich bin das, was ich mir tagtäglich über mich selbst erzähle. Alles, was ich über mich glaube, wird von meinem Gehirn in kleine, größere und

große Geschichten geformt.  


Für Holly, meine innere Schreiberin heißt das: Juhu, ich kann meine eigene Lebens-Wahrheit entwickeln und habe die Freiheit, meine Geschichte(n) jederzeit “neu” zu erfinden.   


Das Schreiben eignet sich so gut, weil es das Bedürfnis, des über sich Erzählens, auf wundersame Weise stillt. Wir können so viel wir möchten und alles ohne Einschränkung niederschreiben.  


Papier und Stift sind die geduldigsten Zuhörer, die es gibt und sie sind immer da. Wir müssen sie nicht erst anrufen und hoffen, dass sie gerade Zeit haben. Sie sind jederzeit bereit und warten nur darauf, bis wir uns die Zeit schenken.

 

Und wir bekommen die Möglichkeit schmerzhaftes umzuschreiben. Überschreiben ... 


... nennt sich das. So in etwa wie in der Traumatherapie, wo traumatische Ereignisse mit einem anderen, besseren Ausgang überdacht werden und demnach zur Auflösung beitragen. 

 

Schreibend kann ich also Geschehenes neu und anders denken. Ich kann mir eine gute oder zumindest eine bessere Auflösung erschreiben und mit der Geschichte Frieden schließen. 


Ich finde, dass das eine wunderbare Methode ist sich mit bedrückenden Erlebnissen aus der Vergangenheit auszusöhnen und diese bewusst loszulassen.  


Und doch gibt es da eine leise Stimme, die sich mitunter fragt, ob ich damit nicht das, was wirklich war, verleugne!?  


Meistens antworte ich mit einer Gegenfrage: Was war denn wirklich? Es ist doch so, dass wir alle unterschiedliche Wahrheiten denken. Und selbst dieselben Ereignisse auf mehrere Arten gedacht, erlebt und erinnert werden (können). So gesehen kann ich dieses “was wirklich war” gar nicht leugnen. Vielmehr erlaube ich mir es anders zu denken.


Und ich tendiere dazu: Wenn alles, was ich bezüglich meiner Geschichte(n) denke, eine zum Teil von mir erdachte Wahrheit ist, die aufgrund von meinem Erinnern und den dazugehörigen Glaubenssätzen entstanden ist, dann kann ich sie auch ohne Weiteres umschreiben.  


Letztendlich geht es hier weniger um ein Zeitdokument in der die eine Wahrheit stehen soll, sondern um das eigene Wohlgefühl.   


 

 

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