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Vom sich lösen und Loslassen



Beim letzten Einzel-Schreib-Treffen ging es ums Loslassen. Wie kann ich schreibend Gedanken loslassen, war die Frage.

 

Einfach drauf los schreiben, oder? 


Meistens ist es schon befreiend einfach frei drauf loszuschreiben. Ohne Zensur. Einfach alles aufs Papier fließen zu lassen, was gerade im Kopf herumschwirrt. Aber was, wenn das nichts nützt, wenn stattdessen noch mehr Chaos und eine scheinbar endlose Gedankenspirale entstehen?

 

Als ich das Treffen vorbereitete stellten sich mir folgende Fragen:


Warum halten wir an bestimmten Gedanken fest und andere sind schier im auftauchenden Augenblick wieder verschwunden? Was bringt uns ins Grübeln und warum fällt es so schwer aus dem Gedankenkarussell auszusteigen?  


Meine Überlegung dazu: Da hängt “was” dran  


An den Gedanken hängen Emotionen, Träume, Wünsche, Visionen, Bedürfnisse, Menschen, das Herz ... Und immer schwingt eine persönliche Geschichte mit. Ein Ereignis oder ein Erlebnis, was dem, was jetzt ist vorausgegangen ist.

 

Ich glaube: Immer, wenn Gedanken über längere Zeit in derselben oder ähnlicher Form wiederkehren, liegt etwas im Verborgenen, das entdeckt werden möchte.


Eine Geschichte die vielleicht gelöst oder zumindest gesehen werden möchte. Manchmal reicht es sie anzuerkennen und hinter ihr einen Punkt zu setzen, um sich von ihr und den dazugehörigen Gedanken zu lösen. 


Nur wie decke ich das Verborgene auf?

 

Nicht immer ist dieses “Was” oder die Geschichte dahinter erkennbar. Also hängen wir mal mehr mal weniger lange an den jeweiligen Gedanken fest. Und es entsteht Chaos im Kopf. Und dann? 


Schreiben? Ja! Aber ...  


... anstatt einfach drauf los, lieber etwas strukturiert. Mit einer Liste, in der alle Gedanken in Stichworten und/ oder Halbsätzen ihren Platz finden.

 

Listen helfen, wenn die Gedanken schneller sind als die Schreibhand und viele unterschiedliche Stimmungen mitschwingen. Sie ordnen und sind übersichtlicher.


Wenn ich dann noch genauer hinschauen möchte, kann ich Gedanken auch hinterfragen. Die Geschichte schreibend aufdecken sozusagen.

 

"Es ist nicht so, dass ich so schlau bin. Aber ich bleibe viel länger bei den Fragen." Albert Einstein

Welcher Gedanke fordert mich heraus genauer hinzuschauen?  


Wenn mein Gedanke lautet: Ich brauche eine Pause. Dann stellt sich mir die Frage: Wovon? Und im nächsten Schritt beantworte ich diese Frage ...  


So entstehen mitunter loslösende und aus sich herauslassende Selbstgespräche auf Papier. Die sich spiralförmig in uns hinein und wieder heraus bewegen. 


Im Schreib-Treffen sprachen wir auch noch über die Zeit dazwischen

 

Es ging um den Zeitraum, in dem sich die gewünschte Ordnung nur zaghaft einstellt, die Fragen noch nicht klar formuliert werden können und das Lösen sich hinzieht. Eine Zeit also die es so gut wie möglich zu überbrücken gilt. Denn gerade hier wird es bisweilen kräftezehrend.

 

Den Fokus verlagern 


Wir einigten uns auf das Schätze sammeln, in Form von schönen und wohltuenden Gedanken. Denn die gibt es auch an den dunkelsten Tagen, wenn man sich darauf einlässt, genauer hinzuschauen.  

 

Im Schatzsammelbuch finden nur solche Gedanken einen Platz die an Regentagen Sonnenwärme ins Herz strahlen lassen. Auf diese Weise lösen wir uns von einem gefühlt schlechten Tag und lassen ihn positiv ausklingen. Wir versöhnen uns mit diesem Tag, der es uns so schwer machte, ihn zu mögen und gehen befriedet in die Nacht über.  


Mir flüstert Holly, meine innere Schreiberin, gerade einen meiner Wohlfühlsätze ins Ohr: “Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug.” (Hilde Domin) Und mit diesem Satz lasse ich jetzt den Beitrag los und überlasse ihn Dir und deinen Gedanken dazu.

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